• Reise durch das unbekannte Nordperu – Eine Reise der Superlative und Extreme

    Vom 17.09.-07.10.2018 haben wir eine fantastische Reise durch das unbekannte Nordperu erlebt. Wir – das sind 10 Personen mit ganz besonderer Liebe zu Peru. Vier von uns sind dort aufgewachsen, für die meisten war es schon die 3. Peru-Reise. Viele Speisen und Getränke weckten Kindheitserinnerungen, allem voran Triple-Sandwiches, Papaya- und Chicha-Saft und die vielen Bananensorten.
    Ditmar und Eveline Wiegmann waren tolle Reiseleiter und ließen Alltag und Geschichte Perus in den letzten 50 Jahren anhand vieler persönlicher Erlebnisse lebendig werden.

    Cordillera Blanca: eine atemberaubende Naturlandschaft und Lebensraum der ältesten Kulturen Amerikas
    Gleich nach Lima begann unsere Reise mit einer archäologischen Sensation: Caral, 180 km nördlich von Lima im Tal des Río Supe.

    Dieses städtische, erst z.T. freigelegte Areal, ist weit älter als alle bisherigen Funde,  geschätzter Ursprung: 2.700 v. Chr. Der ganze Norden Perus ist voller neuentdeckter,  heute  noch weitgehend unbekannter archäologischer Ausgrabungsstätten. Wir bekamen noch einige weitere zu Gesicht. Die architektonischen Leistungen der Vor-Inka-Kulturen sind sensationell.
    Atemberaubende Blicke auf Gletscher und Lagunen boten die Fahrten durch die Cordillera Blanca über den Conococha Pass (4.080m), die nur wenige Meter breite Schlucht des Cañón del Pato mit Blick auf die Doppelspitze des Huandoy (6.395m), durch 30 Tunnel, über Straßen mit beängstigend herabhängenden Felsüberhängen. Gletscher tauchten hinter Nebelschwaden auf.

    Lagunen leuchteten türkisblau in der Sonne. Die besonders idyllisch gelegene Lagune Llanganuco (3800m) am Fuß des Gletschers Huascarán (6.768m) trägt den schönen Namen „Der junge Mädchen-See“.

    Unbedingt wollten wir die riesigen Puya Raimondis sehen. Auf der Fahrt nach Huánuco machten wir daher einen Abstecher über eine lange Schotterpiste. Wir wurden belohnt. Da standen sie vor uns, diese größten Blumen der Welt: bis zu 11m hoch, mit einem Stammdurchmesser von einem halben Meter! Sie werden über 100 Jahre alt, blühen nur ein einziges  Mal, dann aber 9 Monate lang, anschließend sterben sie ab. Es gibt nur ein paar Hundert Exemplare auf der ganzen Welt, denn die Puya Raimondi stellt sehr spezielle Ansprüche für ihr Gedeihen. Alles muss stimmen: der Boden, das Klima, Sonneneinstrahlung, Windverhältnisse… Auf der gegenüberliegenden Seite der Piste sind Licht, Schatten und Wind ein bisschen anders. Hier wachsen sie nicht.

    Vorbei an schneebedeckten Eisgiganten erreichten wir den höchsten Punkt unserer Reise: den Yanashalla-Pass. Das ist ein schmaler Grat durch die Cordilliera Blanca  auf 4.980m! Dann hinunter durch ein wildromantisches Tal. Peru im Urzustand!

    Wir erlebten rasante Temperaturunterschiede – Zwiebeltechnik war unbedingt angesagt. Oben auf den Pässen standen wir mit Winterjacke, Schal und Mütze, unten im Tal schwitzten wir im T-Shirt.

    Immer wieder staunten wir, wie die Menschen den steilen Hängen Ackerbau abtrotzen – nur Wasser muss von irgendwoher kommen. Viele Familien sind hier oben in den Anden noch weitgehend Selbstversorger, kleine Überschüsse an Obst und Gemüse werden auf dem Markt verkauft.

    Tjen, unser Reiseführer, schärfte unsere Blicke auch für die Schattenseiten: wertvolle Mineralien auf den Andenkämmen und Hochebenen locken massenhaft kleine, mittlere, aber auch 25 internationale Minenbetreiber an. Wir fuhren durch Minendörfer und die Minenstadt Cerro de Pasco (4.390m). Hier werden riesige Mengen an Kupfer, Blei, Zink und Silber abgebaut. 4.400 Mio t liegen noch unter der Stadt – am Morgen unserer Rundfahrt eine Geisterstadt mit streunenden Hunden trotz gesponserter Stierkampfarena und Zirkuszelt – immer wieder müssen Dörfer und Ansiedlungen dem Tagebau weichen. Das Flusswasser ist vergiftet, die Anwohner haben zu viele rote Blutkörperchen. Ach Peru – du armes reiches Land!!!

    Schönheit und Reichtum des tropischen Regelwaldes

    An der Ostseite der Anden fahren wir runter ins Tal nach Tarma (3.080m), „Perle der Anden“ genannt. Tarma ist die Blumenstadt, tausende, abertausende Blumen werden hier gezüchtet, in Lastwagen nach Lima gebracht und von dort in alle Welt geflogen.

    Hier oben in den peruanischen Anden liegt der Ursprung der Kartoffel. Hier begann die Kultivierung der Knolle schon in der Vor-Inka-Zeit. Über 3000 Kartoffelsorten gibt es heute in Peru, bis in Höhen über 3500m werden sie angebaut. Auf dem Markt von      Carhuaz konnten wir uns mit eigenen Augen überzeugen. Eine riesige Halle und Kartoffeln, so weit das Auge reichte, mindestens 60 verschiedene Sorten: kleine und große, rote, gelbe, braune, violette, gelbe…

    Ca. 60 km hinter Tarma beginnt der Regenwald. Weiterfahrt nach San Ramón (776m) im Chanchamayo-Tal, rascher Wandel der Vegetation auf 100km, hier beginnt die „Ceja de Selva“ (die „Braue des Waldes“): erste Sträucher und Bäume,  die Bewaldung nimmt zu, Bananen- und Mangobäume, dann Zuckerrohrplantagen, Kaffeeanbau, Orangenplantagen, Ananas. Wir sind im tropischen Regenwald angekommen.

    Hier liegt auch unser Projekt „Centro Yanachaga“ (ex Prosoya) (ca. 1.900 m), malerisch eingebettet von den Hängen des Regenwaldes im Rücken.

    Von den Jungen und auch von den Mädchen in Quillazú wurden wir sehr herzlich begrüßt. Wir nahmen teil am Tag der Jugend mit einem gemeinsamen abwechslungsreichen Programm für alle Jugendlichen.

    Weiter ging`s Richtung Huancayo. In der Nähe liegt eines der fruchtbarsten Andentäler im weiten Tal des Río Mantaro, hier wird intensiv Land- und Viehwirtschaft betrieben, auch Kunsthandwerk.
    Riesige Lkws transportieren die reiche Ernte an Obst und Gemüse nach Lima.

    Wo übernachteten wir?  Unsere Hotels spiegelten Charakteristika der jeweiligen Stadt oder Landschaft: z.B. das vornehme Hotel im Kolonialstil in Lima, Stadtteil Miraflores, das schlichte Zimmer im Hostal Inka House in dem kleinen Provinznest La Unión inmitten der Anden. Im Hotel „Villa de Arma“ (2.950m) in Tinco Alis bei Huancaya, wunderschön einsam in einem Tal gelegen, begrüßten uns zum Frühstück zwei Alpacas.

    Zurück nach Lima Richtung Küste: langsam wird es wieder trockener, Kakteen und trockenes Buschwerk statt üppiger Vegetation, schließlich wüstenartig, durchbrochen nur von Flussoasen.
    In Lima wohnen jetzt schon 12 Mio. Menschen, die Hälfte der Einwohner Perus insgesamt, und Lima wächst und wächst. Die Reichen machen gern Urlaub in der Touristenstadt Lunahuaná (500m), beliebt für Wassersport auf dem Río Cañete. Hier haben wir zum ersten Mal peruanische Touristen gesehen und übernachteten in einer modernen Hotelanlage direkt am Fluss mit verschiedenen Sport- und Freizeitangeboten.

    Auffällig sind die vielen umzäunten Flächen links und rechts der Straße auf der vierstündigen Fahrt durch die Küstenwüste. Hier werden schon mal vorausschauend potentielle Baugrundstücke gesichert.

    Peru ist nicht nur reich an Bodenschätzen, sondern auch reich an den Früchten der Erde, reich gesegnet mit Obst und Gemüse. Wir konnten prächtige Märkte bestaunen. Vielfältig und abwechslungsreich ist die peruanische Küche. Bei uns waren die Renner:  fangfrische Forellen, Geflügel- und Kartoffelgerichte, gerne auch Gemüsesuppen und Vorspeisen, wie die „Causa“ – sehr lecker und krönender Abschluss in Lima: Rinderherzenspieße („Anticuchos“)!

    Beseelt von den vielfältigen Eindrücken und Erlebnissen traten wir den Rückflug an. Eine in jeder Hinsicht supertolle Reise!

    Carmen Lente-Lorenzen

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