• Reisebericht von Bernd Sindel

    Peru-Reise: Cordillera Blanca und Zentralanden

    Nach der zweiten Peru-Reise 2014 in den Norden des wunderschönen Landes ging es diesmal quer durch die mittelperuanische Landschaft, ein paar Hundert Kilometer nördlich, westlich und südlich um die Hauptstadt Lima herum.

    Zehn Teilnehmer, unter ihnen sieben Reisende, die bereits die früheren Reisen mitmachten, wurden von Eveline und Ditmar Wiegmann in bewährter und begeisternder Art zu zahlreichen kulturellen Höhepunkten sowie atemberaubender Flora und Fauna begleitet, gemeinsam mit örtlichen sehr kompetenten Führern.

    Die Reise vom 17. September bis zum 7. Oktober 2018 begann in Lima mit einer Stadtrundfahrt und ausgiebiger Erkundung zu Fuß. Dazu zählten die koloniale Innenstadt und der „Cementerio Presbítero Maestro“, der erste Friedhof Perus mit unzähligen geschichtsträchtigen Grabmälern bekannter peruanischer Persönlichkeiten aus allen Perioden und Bereichen. Das Künstler-viertel Barranco und die herrliche abendliche Stimmung in der Dämmerung an der Steiluferpromenade gehörten ebenso dazu wie ein Bummel durch die Altstadt.

    Reisegruppe vor den beeindruckenden Ruinen von Caral, einer 5000 Jahre alten Stadt (Fotos: Sindel)

    Die Rundreise startete von Lima Richtung Norden über Caral im Tal des Río Supe Richtung Huaraz. Das erste Highlights war Caral, die wohl älteste Stadt ganz Amerikas, die bereits 3000 Jahre v. Chr. bestand, bemerkenswerter-weise einige Jahrhunderte vor den ägyptischen Pyramiden von Gizeh! Das gesamte Areal dieser antiken Stadt umfasste ehemals ca. 60 bis möglicherweise 200 Hektar. Genaueres ist noch nicht bekannt, denn es sind erst etwa 10 bis 15 % der Stadt ausgegraben. Es wartet sicher die eine oder andere Überraschung bei den künftigen Ausgrabungen in den nächsten Jahrzehnten.

    Die weitere Fahrt ging über den 4080 m hohen Conococha-Pass bis zum ersten Übernachtungsziel nach Monterrey (3052 m) bei Huaraz im Tal des Río Santa. Weitere Stationen waren der Wari-Tempel in Wilcahuain mit seiner 3-stöckigen, ausgeklügelten erdbebensicheren Bautechnik eines Satteldaches aus aufeinandergelegten Steinplatten. Der „Cañón del Pato“ ist eine spektakuläre, enge und tief vom Wasser eingefräste Schlucht mit schmaler Straße und 30 Tunnels, die sich mit vielen Brücken abwechseln. Ein Ausflug zur Lagune „Llanganuco“ (3800 m) am Fuße des mächtigen eisbedeckten Huascarán, dem höchsten Berg Perus, folgte. Bei Yungay ging 1970 nach einem Erdbeben eine Stein- und Schlammlawine nieder, die den Ort mit 20 000 Einwohnern unter sich begrub. Wir gingen mit einem beklemmenden Gefühl über den Campo Santo über das verschüttete Dorf, das neue Dorf wurde in der Nähe erbaut.

    Von Huaraz ging es nach Chavín de Huantar mit ausgiebiger Besichtigung der unterirdischen Gänge des Chavín-Tempels aus der Zeit um 900 v. Chr.. 4800 m hohe Pässe wechselten sich mit tief eingeschnittenen Tälern und ebenen Hochplateaus ab. Selbst in über 4000 m Höhe gibt es Vieh- und Landwirtschaft. Es ging vorbei an schneebedeckten Eisgiganten der Weißen Cordillere. Huánuco Viejo, ein ehemals bedeutendes Verwaltungszentrum der Inkas auf einer 3450 m hohen Ebene beeindruckte, nicht minder Kotosh mit seinem Tempel aus der Zeit um 2000 v. Chr. Auch die Minenstadt Cerro de Pasco mit ihrem gigantischen Tagebau für Zink, Blei, Kupfer und Silber sowie der zweitgrößte peruanische See Lago de Junín als Naturreservat für seltene Wasservögel hinterließen bleibende Eindrücke. Der Steinwald von Huayllay mit seinen bizarren Steinformationen zeugte von der einmaligen Vielfalt der Natur, der Landschaft und der Geologie in Peru. Ein Schmetterlingspark, ein Handwerksbetrieb zur künstlerischen Gestaltung von Zierkürbissen, ein Besuch bei den Ashaninka-Indianern, die Werksführung in einer Textilfirma für Alpaka-Produkte, Klosterführungen sowie Besuche von Märkten in den Städten rundeten das sehr breite Programm ab. Eine botanische Seltenheit wurde im „wilden“ Nebental des Santa-Tales besucht: es konnten die sehr seltenen, nur dort wachsenden „Puyas Raimondi“ mit ihrer Höhe von über zehn Metern bewundert werden. Diese Pflanzen blühen äußerst selten und werden mehrere Jahrzehnte alt.

     

    Ankunft im Projekt mit dem Bus

    Jungen vom Projekt „Centro Yanachaga“ präsentieren sich mit der Reisegruppe beim Abschied

    Mädchen vom Projekt „Quillazú“ zeigen sich vor dem neuen Anbau (Waschküche)

    Zwei Tage verbrachte die Gruppe im Projekt „Centro Yanachaga“ (früher Prosoya). Es wurden alle Bereiche besucht. Besonders der durchgeführte Umbau des Hauptgebäudes, durch Ditmar Wiegmann geplant und begleitet, beeindruckte. Auch ein Abstecher in das Mädchenprojekt Quillazú mit der Besichtigung der Erweiterungsbauten kamen nicht nur bei den Reiseteil-nehmer sehr gut an, die das Projekt zum ersten Mal besuchten. Zwei Patenkinder konnten die Paten in den Arm nehmen. Die mitgebrachten Geschenke wurden sehr freudig und dankbar von den Mädchen und Jungen angenommen.

    Nach insgesamt 21 Tagen ging für die Reisegruppe eine außerordentliche vielfältige und inhaltsreiche sowie begeisternde Rundreise mit zahlreichen kulturellen, geschichtlichen und geologischen Highlights zu Ende. Alle Mitreisenden sind überzeugt, dass es sich lohnt, zu Hause weiterhin intensiv Werbung für das Projekt zu betreiben.

    Die zehn Mitreisenden werden noch lange von den gemeinsamen Erlebnissen zehren. Ein ganz besonderer Dank gilt Eveline und Ditmar Wiegmann, die uns in hervorragender Weise ihr Heimatland Peru nahe gebracht und so manche Tür geöffnet haben, die wohl sonst verschlossen geblieben wäre.

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